Die Baderann von Veringenstadt. Mittheilungen aus einem Hexenprozesse vom Jahre 1680. Teil 7

      Die Baderann von Veringenstadt. Mittheilungen aus einem Hexenprozesse vom Jahre 1680. Teil 7

      Da der bisherige Verlauf der Inquisition die Richter nicht befriedigte, so beschlossen sie, ein Gutachten von einem dieser Sachen kundigen auswärtigen Rechtsgelehrten einzuholen. Die Wahl fiel auf den kürzlich als Truchseß-Waldburgischen Beamten nach Scheer gekommenen Dr. Heinrich Ludwig von Holzingen, dem man alsbald das gesammte Aktenmaterial überschickte, das er sammt seinem Glaborate am 1. Juli wieder zurücksandte.

      Dieses Gutachten, ein sehr gründlich sein sollendes, umfangreiches, aber nach unsern Begriffen ein ganz erbärmliches Aktenstück, sagt, daß die Baderann nach ihren Bekenntniß der Hexerei, der Beschlafung vom Teufel, der Tanzbesuchung, der Verläugnung Gottes und seiner Heiligen und nach den hieraus fließenden Effekten und Spezialitäten, mit welchen sie auch die beschworenen Zeugenaussagen beschweren, sodann nach dem an ihrem Leibe gefundenen Teufelszeichen und nach den bei der Tortur eingetretenen Umständen, offbar eine wahre, wohlgetzte und recht verhärtete Hex sei, welche ohne Zweifel nur wegen allerhand Spezialpakten und Versprechungen, womit sie der Teufel versehen, die bisherige Tortur fast verachtet und die Einzelheiten ihrer Verbrechen nicht bekannt habe.

      Daher seien nach der allgemeinen Praxis bei ihr noch schärfere Torturen anzuwenden, entweder durch Schlafberaubung während einer Nacht und darauf folgendes Aufziehen mit schweren Gewichten, oder durch das Bockspannen, welches die Gleider nicht ausrenke und doch unglaubliche Schmerzen verursache, oder durch den Daumenstock, die Beinschrauben oder andere das Fleisch stark angreifende Instrumente. Vor Anwendung solcher Torturmittel soll man ihr Dreikönigswasser, Oster- und Pfingsttauf, auch Weihrauch mit Malefizwachs vermischt, oder andere benedizirte Sachen eingeben, ihr eine Teufelsgeisel, ein Agnusdei oder Aehniches anhängen, sie auch vorher anhalten dem Teufel zu widersagen, denn dergleichen Trank und Prozeduren hätten seines Wissens viele ganz erhärtete Hexen schon vor der Tortur zum Bekenntniß gebracht. Sollte sie aber auch nach drei solchen Torturen wieder nur im allgemeinen bekennen, daß sie eine Hexe sei, alle Unthaten wie andere Hexen gethan, sich mit dem bösen Feinde öfters vermischt, sich demselben durch Pakt ergeben, Gott und die Heiligen verläugnet, durch Ausfahren die Hexentänz besucht u. dgl., so müsse ihr nach alter Praxis, ungeachtet der nicht bekannten Spezialumstände, unbedenklich der endliche Prozeß dennoch gemacht werden.

      Diese schwulstigen Ausführungen hat er mit einer Menge gelehrt sein sollender Kitationen aus den Schriften verschiedener Hexenschmecker belegt und bedauert dabei, daß er seine Kriminalisten noch nicht bei der Hand habe.

      Neuntes Verhör am Montag den 8. Juni 1680 von 10-12 Uhr Vormittags und von 2-7 Uhr Abends.

      Nach Einnahme geweihter Sachen mußte die Verhaftete dem Teufel absagen und christlich zu leben und sterben versprechen. Dann sollte sie freiwillig bekennen, sagte aber, das Frühere sei nicht alles richtig, sie habe in der Pein oft angegeben, was ihr gerade ins Maul gekommen, sie sei keine Hexe. Auf diesen Wankelmuth hin mußten die Scharfrichter ihr Hexenzeichen untersuchen und haben durch Hineinstechen mit der Nadel gefunden, daß es unempfindlich, also ein wirkliches Stigma des Teufels sei. Mit Androhung der Folter bringt man sie endlich wieder zu einigen Angaben. Hierauf Interstitium bis 2 Uhr. Auf ernstliches Ermahnen und Drohen kamen Nachmittags wieder mehrere Bekenntnisse. Darunter neu: Sie sei schon 35 Jahre eine Hex, das Zeichen habe ihr der Teufel mit seinem Petschirstöckle eingedrückt, er hab ihr Hexensalbe gegeben, womit sie Vieh und Leute lahm und krank gemacht und vieles verderbt habe, benennt auch eine Menge Personen, denen sie damit geschadet. Die Hexentänze, zu welchen sie gewöhnlich auf einen Stück Vieh ins Teufels Namen ausgefahren, seien meistens an Sonn- und Feiertagen unter irgend einem Hexenbäumle bei Gammertingen, Inneringen, Riedlingen, Hohenthengen oder Veringen gehalten worden, dabei sei unter großer Lustbarkeit und allerlei Unfug bei Pfeife und Geige getanzt und tüchtig geschmaust und gezecht worden. Wein, Fleisch und anderes habe man den Leuten aus Haus und Keller genommen. In früheren Jahren habe sie der Hexenkönig sehr lieb gehabt, sie sei oft bei ihm gewesen, hab ihn geküßt, verehrt und vor ihm gekniet, allein in letzter Zeit habe er sie nicht mehr gewollt. Da habe sie meistens bei den Tänzen leuchten müssen und sei ihr die Kerze in partibus posterioribus gesteckt worden. Die alten Weiber werden eben von Teufeln und Menschen verachtet. Das Verhör endete um 7 Uhr.

      Da die Richter wegen der heutigen Wankelmüthigkeit noch nicht befriedigt sind, so mußte die Malefikantin die folgende Nacht zur Verhinderung des Schlafes durch drei Wächter verwacht werden.

      Zehntes Verhör am Dienstag den 4. Juni 1680, von 7 ½ Uhr Vormittags und von 2-6 ½ Uhr Nachmittags.

      „Heute hat sich Malefikantin ganz schwach erzeigt.“ Wie könnte es auch anders sein? Hunger, Angst und Frost während einer 4-wöchentlichen strengen Gefangenschaft, die brennenden Schmerzen der verrenkten Glieder und überspannten Sehnen, die quälende Gewalt des zurückgehaltenen Schlafbedürfnisses, die Gewißheit eines baldigen ehrlosen, schmachvollen Todes ec. mußten endlich sämmtliche Kräfte einer 61jährigen Frau total brechen und sie einer Sterbenden gleich machen. Nun kommt das Verhör: Sie vermag nicht mehr zu widerstehen, sie muß alles über sich ergehen lassen, sie bestätigt alle frühern Geständnisse, sie macht eine Menge neuer, sie bekennt alles, was man ihr vorhält, sie hat alles Unheil und Unglück angestiftet und verursacht, dessen sie bisher angeklagt oder verdächtigt worden war, sie hat sogar viele Schäden angerichtet, welche die Beschädigten selbst nicht einmal ahnten oder wußten. - Nun hatten die Richter entlich, was sie wollten, und das Protokoll sagte: „weil diese Bekanntnuß an den Tag gegeben, daß man ohne Bedenken mit der Exekution fortschreiten kann, also ist das Examen zu enden.“

      Schlußverhandlung am Mittwoch den 5. Juni 1680.

      Zuerst wurden der Malefikantin ihre Bekenntnisse alle vorgelesen. Nachdem sie dieselben durchgehends bestätigt und sich neuerdings dazu bekannt hatte, mußten die für heute bestellten Zeugen, 7 ehrenhafte, unparteiische Bürger, eintreten. In deren Gegenwart wurde nun der von allen Banden befreiten Verhafteten die Urgicht, d. h. eine summarische Zusammenstellung aller ihrer Bekenntnisse, jedoch ohne Benennung der betreffenden Personen, deutlich vorgelesen und ihrerseits ganz freiwillig von Wort zu Wort als richtig bestätigt. Demnach bekennt sie:

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