Die Baderann von Veringenstadt. Mittheilungen aus einem Hexenprozesse vom Jahre 1680. Teil 4

      Die Baderann von Veringenstadt. Mittheilungen aus einem Hexenprozesse vom Jahre 1680. Teil 4

      3. Maria Grüner von Veringendorf (20 Jahre alt) deponirt: Als sie vor einem Jahr auf Stetten Oehmd mahden verworfen, sei die Baderann mit einem Grasbüschel nahe an ihr vorbeigegangen, habe mit ihr gesprochen und den Athem stark an sie gelassen. Alsbald sei ihr der Hals ganz stärrig geworden, Kopf und Backen verschwollen, der Athem fast ausgeblieben und habe sich müssen heim ins Bett bringen lassen, wo sie 8 Tage daran gelitten. Durch Einnehmung geweihter Sachen vom Geistlichen von Veringenstadt sei ihr zwar wieder geholfen worden, doch spüre sie das Uebel bei unstäter Witterung immer noch am Gehör.

      4. Marth Roth (55 Jahre alt). Vor 33 Jahren (also 1657) sei sie von der Baderann, mit welcher sie gesprochen, mit den Fingern auf die linke Achsel geschlagen worden. Sie habe davon alsbald Schmerzen empfunden, die ihr durch den Arm heruntergegangen seien und denselben nach drei Tagen erschwarzet haben. Der zu Rath gezogene Jakob Abt von Harthausen habe ihr den Arm gesegnet und mit Sachen überschlagen, sei ihr aber doch in alle Glieder gekommen, müsse bis dato daran leiden und seie, wie der Augenschein zeige, ganz lahm und kontrakt davon geworden.

      5. Anna Maria Fritz (50 Jahre alt). Vor vielen Jahren habe ihr die Baderann infolge eines Wortwechsels gedroht, sie wolle ihr einen Haufen vor die Thür machen, den man mit Karren wegführen müsse. Gleich des andern Tags sei ihrem Roß der Kiefer bestanden. Es habe nichts mehr fressen können und sei nach starkem Toben krepirt. Der Abdecker habe gefunden, daß böse leute dieses verursacht. Vor 6 oder 7 Jahren sei einem andern ihrer Pferde das Gleiche begegnet.

      6. Anna Fischer (37 Jahre alt). Vor 7 Jahren habe ihr die Baderann Aepfel geschenkt. Nachdem sie von einem einen Bissen gegessen gehabt, sei ihr der Verdacht gekommen, die Baderann könnte etwas darein gethan haben, worauf sie alle ins Wasser geworfen. Kaum ½ Stunde hernach sei ihr dann sterbensweh geworden. Auf eingenommenen Terial sei starkes Erbrechen erfolgt, sie habe hierauf noch Dreikönigwasser getrunken und dann Besserung empfunden.

      7. Martin Batzer (39 Jahre alt). Vor 20 Jahren habe er wegen Beschlagens vor der Schmiede ein Pferd mit einem Füllen gehabt. Auf letzteres habe die Baderann zum Fenster heraus scharf gesehen und nach der Keimkunft sei dem vorher noch muntern Füller der Kiefer bestanden, doch hab ihm der gerufene Müller Marte von Hettingen wieder geholfen.

      8. Mathäus Falchner (30 Jahre alt). Voriges Jahr habe er vor der Schmiede einen Fuchsen beschlagen lassen, und die Schmiedin sei, nächst hinter demselben herumgegangen. Von da an habe das Pferd im Fressen, Ziehen und am Leib abgenommen und sei 5 Tage später krepirt. Vor 5 Wochen, als ihm der Schmied wieder einen Rappen beschlagen, habe die Baderann vom Fenster herunter Speichel auf denselben fallen lassen. Nachher habe das Pferd nicht mehr gefressen. Er sei deßhalb eilends zum Schäfer Joh. Rädle nach Neufra, der in solchen Fällen zu helfen verstehe, wenn man vor Ablauf des dritten Tages zu ihm komme. Derselbe habe ihm einen Segen mitgegeben, welcher geholfen. Seit er aber diesen Segen im Stall habe, höre er darin Nachts oft ein großes Getümmel, und wenn er hinuter komme, treffe er darin allezeit schwarze Katzen.

      9. Georg Heberle, Nachtwächter (32 Jahre alt): Vor 5 Wochen habe er Abends 9 Uhr ein schwarzes Weib aus des Scharfrichters Stall herausgehend gesehen und als er hernach zu der Schmiede gekommen, seien aus der offenen Hausthür 2 schwarze Katzen gegen ihn gesprungen, worüber er erschrocken und fortgegangen.

      10. Jakob Heberle sagt: Sein Bruder Johann, der jetzt im Siechenhaus zu Laiz sei, habe vor 15 Jahren bei der Baderin gedient. Da habe er eines Morgens früh im Stallegesehen, daß eine schwarze Kalbel stark schwitze und dampfe, und gefunden, daß dieselbe eine Roßzaum am Hals und das Gebiß recht im Maul halte. Damit endete dieser Akt.

      Drittes Verhör am Donnerstag den 16. Mai 1680. Besetzt wie bisher. Dauer Mittags 1 bis Abends 5 Uhr. Der Ehemann der Malefikantin, Andreas Endriß, Hufschmied, 75 Jahre alt, wird zuerst vorgerufen. Nach Feststellung seiner Personalien über alle Einzelheiten aus dem Leben und Betragen seiner Frau befragt, sagt er, sie sei eine unausstehlich widerwärtige, unverträgliche Person, die ihm öfters entlaufen sei, ohne Veranlassung immer gezankt, ihm den Teufel und Hagel gewünscht, ihn Lump, Schuldenmacher und noch Aergeres gescholten habe, die er deßhalb aber auch oft geschlagen, wie einen Ochsen. Etwas anderes Unrechtes oder Verdächtiges in Reden oder Geberden habe er bei ihr niemals, weder Tags noch Nachts, sehen und merken können.

      Nachdem er entlassen war, wurde die Verhaftete vorgeführt und ihr alle bisherigen Zeugenaussagen sammt den frühern Klagen nach und nach vorgehalten, und sie bei jedem Punkte zur Klagebeantwortung aufgefordert. Ihre Entgegnungen waren durchweg ganz vernünftig, manches erklärte sie auf die einfachste, natürlichste Weise, anderes stellte sie einfach in Abrede, von vielem sagte sie, das sei ihr ganz unbekannt u.s.w. Damit konnte sich aber der Richter nicht begnügen. Er ließ den Maurer M. Allgaier vorrufen, stellte ihn nach geleistetem Handgelübde ihr gegenüber und forderte ihn auf, seine Angaben ihr alle unter die Augen zu sagen.

      Das that er mit großem Eifer und brachte auch noch Beschuldigungen betreffs seines verunglückten Viehes. Alles ohne Wirkung! Sie betheuerte ihre Unschuld und sagt, Krankheiten und Unglück können wohl durch Verhängniß Gottes, aber gewiß nicht durch den Willen eines alten, schwachen Weibes entstehen.

      Weil der Richter nun deutlich einsach, daß hier in Güte das päjudicirte Schuldbekenntniß nicht heraus zu bringen sei, wurden die beiden Scharfrichter gerufen. Er erinnerte sie an Treue, Verschwiegenheit und Enthaltsamkeit von aller Rachgier und befahl ihnen, dieses verstockte Weib, das sich durch Zureden nicht gewinnen lasse, ad locum torturae zu führen, ihr daselbst alle zur Folter tauglichen Instrumente vorzuweisen und deren Anwendung zu erklären. Entsetzt hört sie zu und blickt erschreckt auf die schauerlichen Vorbereitungen. Sie zittert. Der Richter ermahnt zum Geständniß. Umsonst! Sie faßt sich, sie fühlt sich dieser düstern Anklagen nicht schuldig. - Nun wird sie gefaßt, auf den Marterstuhl gesetzt, die Arme werden ihr mit Gewalt nach rückwärts gezogen, eine gestgedrehte Schnur wird um ihre Handgelenke geschlungen und weiter hinauf so fest um beide Arme gewunden, daß in den Zwischenräumen Wülste hervorquellen. Während des Bindens schreit sie, bittet um Gnade und versichert ihre Unschuld.

      Hier klicken zum 5. Teil
    Links und Anzeigen:        Familienwappen erstellen lassen       Ahnentafeln       Biografien & Erinnerungen (bei Amazon.de)

    Wappenstiftung / Wappensuche