Die Baderann von Veringenstadt. Mittheilungen aus einem Hexenprozesse vom Jahre 1680. Teil 3

      Die Baderann von Veringenstadt. Mittheilungen aus einem Hexenprozesse vom Jahre 1680. Teil 3

      Am 4. Mai 1680 untersuchte der Vizekanzler die Sache, besuchte und verhörte den Paule Allgaier an seinem Krankenbette und nahm auf dem Rathhaus wieder eine Menge Klagen entgegen. Auf die etnschiedenen Anschluldigungen und dringenden Indicien des M. Allgaier und seines Sohnes Paule, mußte das Gericht noch weitere Schritte thun. Der Vicekanzler legte die Sache dem Fürsten vor und wurde mit Festnahme und Verhörung der Verklagten beauftragt.

      Am Donnerstag den 9. Mai Abends schichte er seinen Kanzleiknecht mit einem Verhaftsbefehl nach Veringenstadt, wonach er die Baderann in der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag, aber erst mit Anfang des Freitags festnehmen sollte. Diese, die sich zu Hause nicht mehr sicher fühlte, hatte sich schon einige Tage in der Nachbarschaft umhergetrieben, kam aber gerade Donnerstag Abends spät heim und wurde dann um 1 Uhr Nachts durch den Stadtknecht von Verinen und den Kanzleiknecht von Sigmaringen ergriffen, ins Gefängniß gebracht und bewacht. Durch einen eilenden Extraboten von diesem glücklichen Ereignisse benachrichtigt, ritt der Vizekanzler Dr. Joh. Krisinger mit dem Sekretär und Registrator Sturm sogleich am Freitag den 10. Mai nach Veringenstadt. Daselbst angekommen hörte er, daß die Verhaftete im untern Thorthurm gefangen liege, weßhalb er, aus Furcht, er könnte verhext werden, sich nicht getraute jenes Thor zu passiren. Deßhalb nachm er seinen Weg dem linken Lauchertufer entlang und ritt beim obern Thore ein. Auf dem Rathhaus traf er nun alle Anordnungen, die zur Vornahme der gütlichen und peinlichen Frage (contra Veneficii) bei Hexen nöthig waren. In das Gerichtskokal ließ er Weihwasser, Malefizwachs, benedizierte Sachen, eine Teufelsgeisel, Ruthen, Essig, Schwefel, schwarzen Kümmel und anderes bringen, befahl die Folterkammer und die Folterwerkzeuge in guten Stand zu setzen, ordnete die Herstellung eines Hexenhemdes an, damit am nächsten Freitag nöthigenfalls die erste peinliche Frage oder Tortur, wozu es unentbehrlich ist, stattfinden könne, hieß aus dem Stadtrath 2 Gerichtsbeisitzer auswählen, die der Verhafteten weder verwandt noch feindlich seien, erinnerte die Scharfrichter de fidelitat et tociturnitate und ertheilte ihnen und andern noch viele Aufträge.

      Erstes Verhör mit der wegen Hexerei angeklagten Baderann, am Samstag den 11. Mai 1680, in Gegenwart des fürstl. Kanzlers Dr. Joh. Kirsinger und seines Registrators Sturm, beide von Sigmaringen, dann des Bürgermeisters Georg Epple und des Stadtrahts Joh. Heberle, beide von Veringenstadt. (Dauer von Morgens 8 bis Mittags 12 Uhr).

      Der Stadtknecht sollte vorerst über Verdächtiges referiren. Er berichtet, bei der Gefangennahme habe er vor dem hause ein Kröte und im Hausgang eine schwarze Katze bemerkt, von der Verhafteten habe er nichts Unrechtes gesehen und gehört, sie sage immer, sie sei unschuldig und wisse von nichts.

      Nun wurde die Baderann eingeführt. Nachdem ihre Personalien, die wir bereits gehört, festgestellt waren, wurde sie mit einer Menge Suggestivfragen bestürmt, ob sie kleinmüthig geworden, ungeduldige Reden geführt, nichts Unrechtes gewünscht, ob niemand zu ihr gekommen ec ec, worauf sie gewöhnlich nur mit Ja oder Nein antwortete. Als ihr auf diese Weise nicht beizukommen war, wurden ihr die Fragestücke des Hexenschmeckers Besoldus vorgelegt, über Glauben, Religion, Gott, Heilige, Sakramente, Teufel, dessen Entsagung, Dienst ec ec. Darauf ihrerseits immer wieder ja oder nein.

      Nach diesem kamen Fragen in Betreff der vielen gegen sie eingelaufenden Klagen, aber auch damit war nichts auf sie zu bringen. Wiederholt wurde ihr der große, auf ihr lastende Verdacht vorgehalten und sie erinnert, die gründliche Wahrheit in Güte anzugeben, damit man nicht zu andern Mitteln gezwungen werde. Sie bleib auf ihrem Negiren, betheuerte ihre Unschuld und beklagte sich über das Unrecht, das ihr durch Zeihung dieses Lasters geschehe. Nach Verlesung des Protokolls wurd sie bis auf Weiteres in das Gefängniß abgeführt.

      Zweites Verhör am Mittwoch den 15. Mai 1680 in Gegenwart derselben Herren. Dauer von 9 ½ Uhr Morgens bis Nachmittag 2 Uhr. - Weil die angegklagte Baderann aauch heute in purer Ablaugnung, der gegen sie eingekommenen Indicien beharrte, so wurden die Kläger resp. Zeugen vorgerufen, in der Verhafteten Gegenwart über den Meineid belehrt und dann alle mit körperlichen Eiden beladen. Auf eindringliche Ermahnung an die Verklägte, jetzt ein Schuldbekenntniß abzulegen, oder die Indicien zu entkräften, anerbot sie sich zur Ablegung eines Eides, um dadurch ihre bisherigen Angaben und ihr Unschuld zu bekräftigen. Dieser Antrag wurde abgewiesen und sie zurück ad carcerem geführt. Die Zeugen mußten ebenfalls abtreten, damit zur Feststellung der Thatsachen einer nach dem andern allein vorgerufen und besonders exarninirt werden konnte.

      1.Mathias Allgaier, Maurer, gibt an: Voriges Jahr habe sein Weib eine Beißel, wie eine rothe Erbse, am Kopfe bekommen. Derselbe sei immer größer geworden, habe sich bis um Michaelis an den Hals herunter gesetzt, ihr endlich vor 4 oder 5 Wochen die Red genommen, woraus sie in 2 Tagen gestorben. Der Baden Hansmichel habe sogleich behauptet, das sei kein natürliches Wesen, es komme von bösen Leuten und seine Frau habe geäußert, es müsse ihr von der Baderann am Ofenhafen angethan worden sein. Sonst seien ihm vorher auch viel Roß und Vieh gefallen (krepirt), von welchen der Abdecker je gesagt, es komm von bösen Leuten.

      2. Paul Allgaier (20 Jahre alt). Er habe am 29. März 1680 der Baderann auf Verlangen einen Hecht gebracht, wobei sie auf der Stiege mit ihm gesprochen und ihn stark angehaucht habe. Einige Stunden nachher sei ihm ein Schneiden im Bauch entstanden, daß er ins Bett gemußt. Da habe ihn aber ein solcher Frost geschüttelt, daß er 3 Tage keine Ruhe gehabt, auch sei er tobend worden, vom Verstandt gekommen und hätte alle Leute ermorden mögen. Er habe hernach einen starken Knüpfel inwendig ums Herzgrüble gespürt und sei ihm vorkommen, als wenn 3 Blutstropfen von beiden Armen und Seiten dem Herz zufahren und ihm dasselbe abstoßen wollen. Auf geistliche Mittel von den Kapuzineren zu Riedlingen und eingenommene Purgaz vom Gärtner zu Gammertingen sei er wieder zum Verstandt gekommen und besser geworden, aber noch ganz schwach, elend und kraftlos. Er wolle drauf leben und sterben, die Baderann habs ihm durch Blasen angethan.

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