Die Baderann von Veringenstadt. Mittheilungen aus einem Hexenprozesse vom Jahre 1680. Teil 2

      Die Baderann von Veringenstadt. Mittheilungen aus einem Hexenprozesse vom Jahre 1680. Teil 2

      In ihrer zweiten Ehe fühlte sich die Baderann bald recht unglücklich. Sie fand in ihrem Mann nicht den gewohnten, gutmüthigen Bader, vielmehr einen rauhen, ungeschlächten, aufbrausenden Uebelschwörer und Flucher, dem sie nicht nur die umfangreichen Hausarbeiten besorgen, sondern auch tagtäglich ein Menge der beschwerlichen Feldgeschäfte verrichten sollte; wofür sie aber selten ein freundliches Wort bekam. Deßhalb entlief sie auch schon 5 Wochen nach ihrer zweiten Hochzeit heimlich aus der Schmiede und begab sich nach einigem Herumziehen wieder in die Badstube.

      Auf wiederholtes dringendes Zureden und gemachte Versprechungen hin kehrte sie nach einigen Tagen wieder zu ihrem Manne zurück, wo jedoch die neuen Dinge bald ärger wurden als die alten waren, und wo sie nach des Schmieds eigener Angabe von ihm oft geschlagen wurde, wie eine Garb. Hiebei verführten sie mit einander manchmal ein solches Höllenspektakel, selbst auf öffentlicher Straße, daß sich viele Leute daran ärgerten und bei dem Schultheißen Klage darüber führten. Da halfen jedoch weder Vorstellungen, Ermahnung, noch Arrest- und Geldstrafen.

      Deßhalb wandten sich Schultheiß, Burgermeister und Rath der Stadt Veringen in einer Beschwerdeschrift de dato 23. Mai 1658 an die fürstliche Oberbehörde in Sigmaringen und berichteten: „Was gestalten Andreas Endriß mit seiner Hausfrau Anna Kramer tags und nachts ein ärgerliches Leben führe, mit unverwandt-wuthlichem Fluchen, Schwören, Schänden, Schmähen, Schlagen und andern unbilligen Sachen, woraus Todtschlag, Brand oder ander Unheil erfolgen könnte, und bitten um Abstellung, da sie solches nicht länger dulden können, in Befürchtung göttlicher Strafe für eine ganze Gemeinde“. Diesem Schritte folgte einige Ruhe und Zurückgezogenheit und die Baderann gebar ihrem Mann 1660 einen Sohn, der Barthle genannt wurde. Allein die Besserung des ehelichen Verhältnisses, das nun zu erwarten gewesen wäre, erfolgte doch nicht, vielmehr brachen die alten Stürme manchmal wieder mit erneuter Wuth los.

      Inzwischen wurde in Veringenstadt und Umgegend das Gemurmel immer lauter, die Baderann sei nichts Rechts, nichts Guts, ein bös Mensch, ein Unhold ec. Und im Herbste 1668 beschuldigte sie die Wittwe Anna Herre sogar der Hexerei. Sie behauptete nämlich, von der Baderann, welcher sie auf der Brechstatt mit andern Frauen Hanf gebrochen, einen verhexten Musbrei erhalten zu haben, auf dessen Genuß sie todkrank geworden sei. Nach Einnahme eines geweihten Teriak, sei Erbrechen erfolgt und ihr dabei ein lebendiger Wurm, ähnlich einer Eggeß (Eidechse) ausgetrieben worden, woraus Jedermann erkannt, das komme von bösen Leuten, also durch den Brei von der Baderann, welche, wie ihr Mann, der Schmied schon oft gesagt, eine Hexe und Bluther sei. Darüber entstand ein Geklatsch und Geschwätz und erregte bei manchen den Wahn, dieser oder jener unaufgeklärte Unfall wäre auch von der Baderann verursacht worden.

      Solches wollte sie nicht auf sich ruhen lassen und vermochte ihren Mann zu einer Klage bei dem Vizekanzler in Sigmaringen um Widerruf und Rettung ihrer Ehre. Der Vizekanzler stellte eine kleine Untersuchung an und verhörte den 21. Novbr. 1668 außer der Wittwe Herre weitere 9 Personenen, die fürher alle etwas gegen die Baderann ausgesagt hatten. Sämmtliche Angaben sprachen jedoch nur den Verdacht aus, die Baderann, welche vom eigenen Mann, der doch wissen müsse was sie sei, selbst Hex gescholten werde, könnte die ihnen widerfahrenen Unfälle verursacht haben. Da ihr Mann betheuerte, er wisse nichts und diese Rede sei ihm nur im Zorne entfahren, so wurden alle mit auferladenem Stillschweigen entlassen, dem Schultheißen aber aufgetragen, etwaige weitere Indicien zu sammeln, weil die Baderann verdächtig und ein solch Mensch sei, die immer fluche, schwöre, schände, schelte, schmähe und ein Wesen führe, daß es im Himmel zu erbarmen sei, weßhalb ihr auch ein Wiederruf versagt werden müsse.

      Dadurch war nun der Denunziation das Thor geöffnet, und es kamen nach und nach so viele Anzeigen, daß sich die Oberbehörde genöthigt sah, eine größere Untersuchung einzuleiten. Am 15. Juni 1676 wurde daher zu Veringenstadt eine allgemeine Inquisition gegen die Baderann vorgenommen, in welcher ein Bürger nach dem andern verhört wurde. Viele bekannten, sie wissen nichts, als was sie täglich überall, selbst von den Kindern auf der Gasse hören müssen, daß nämlich die Baderann nichts Rechts und nichts Guts sei. Andere brachten nichtige Verdachtsgründe, noch andere erzählten von ihrem verdächtigen Betragen und von ihrem unverträglichen gottlosen Wesen, wieder andere, sie habe mit ihnen gezankt, ihnen gedroht, oder Böses angewünscht, und alsbald wäre ihnen an Leib oder Eigenthum Schaden zugestoßen; kein einziger konnte aber beweisen, daß sie wirklich die Verursacherin solchen Schadens gewesen sei, aber auch kein einziger trat für ihre Schuldlosigkeit ein, nicht einmal der Mann oder der eigene Sohn. Auf diese Weise endete die zweite Untersuchung zwar ebenso resultatlos, wie die erste, aber das stellte sie denn doch fest, - daß der Glaube an die bösen Hexekünste der Baderann im Wahne des Volkes bereits tiefe, unvertilgbar tiefe Wurzeln gefaßt und allgemeine Verbreitung gefunden hatte, und dieser weitverbreitete Glaube mußte endlich ein tragisches Ende herbeiführen.

      Einen neuen Anstoß zu ernstlicherem gerichtlichen Einschreiten gegen die Baderann gab bald nachher ihr nächster Nachbar, der Maurer Mathias Allgaier, der früher immer gesagt hatte, er wisse nichts Unrechtes von ihr. Derselbe behauptete nämlich steif und fest, sie habe seiner Frau, die im März 1680 starb, und seinen Sohn Paule, der am 29. März schwer erkrankte, malefizisch infizirt und dieselben verhext. Vom 2. April an wiederholte er seine Anklagen gegen sie mit stürmischem Eifer so oft, bis der Stadtrath endlich am 29. April 1680 den Bürgermeister mit einem Schreiben an den Hrn. Vizekanzler und Rath Joh. Kirsinger nach Sigmaringen abschickte. Darin wird betont, daß der Maurer Mathias Allgaier vor jedem gesessenen Rath erscheine und die Baderann rationo maleficii anklage, und heut erklärt habe, er könne und wolle neben ihr nicht mehr bleiben, entweder müsse sie oder er aus dem Leben. Zur Verhütung größern Uebels möge der Hr. Kanzler das Geeignete anordnen. Die Rückantwort nicht abwartend wandte sich M. Allgaier am 1. Mai 1680 in einer Supplik an den Fürsten selbst und brachte darin vor, daß die Baderann seinen Sohn Paule malefizisch angegriffen und zu einem elenden Menschen gemacht, sein Eheweib und außerdem Roß und Vieh in seinem Stall infizirt und viel andern Schaden verursacht habe, weßhalb sein unterthänigstes, herzreißendes, flehentliches Bitten dahin gehe, Fürstliche Gnaden möchten um der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes willen befehlen, daß diese schädliche Person mit Urtel und Recht vorgenommen, und was zu Recht erkannt, an ihr erequirt werde, weil er sonst kseinen vollständigen Untergang und die ganze Stadt und Landschaft große Uebel, das Verderben der Feldfrüchte und anderes zu besorgen habe. Er wisse gewiß, wie ihm alles Uebel durch diese Baderann auf den Hals gekommen sei, und können mit Gut und Blut, mit Leben und Sterben versichern, daß sie ihm und andern solch jämmerlich Malefiz angethan habe.

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