Die Baderann von Veringenstadt. Mittheilungen aus einem Hexenprozesse vom Jahre 1680.

      Die Baderann von Veringenstadt. Mittheilungen aus einem Hexenprozesse vom Jahre 1680.

      Hier nun der Anfang der Geschichte, die Herr Schlude wiederentdeckt und Ahnen-und-Wappen.de zur Verfügung gestellt hat (abgetippt von Ahnen-und-Wappen.de)

      Die Baderann von Veringenstadt. Mittheilungen aus einem Hexenprozesse vom Jahre 1680.

      Vortrag, gehalten in der Generalversammlung des Vereins für Geschichte und Altherthumskunde in Hohenzollern zu Sigmaringen am 10. Juli 1876 von G. Locher, Lehrer.

      Im Veringenstadt auf dem Rathause wird ein sogenanntes magisches Hemd, ein Hexenhemd, aufbewährt. Dasselbe soll vom 10.-17. Mai 1680, also in 7 Tagen, von 7 dreizehnjährigen Kindern gesponnen, gewoben und genäht und in den Säumen durch einen Kapuzinerpater aus Riedlingen mit magischen zetteln ausgestattet worden sein, und soll die Wirksamkeit gehabt haben, die der Hexerei angeklagte Baderann daselbst zum Geständniß ihrer Verbrechen gebracht zu haben. Das ist so ziemlich bekannt. Dagegen werden Viele nicht genau bekannt sein mit dem Gange des Prozesses, an welchem diese unselige, beinahe 200 Jahre alte Reliquie erinnert, und Wenige werden bekannt sein mit den speziellen Lebensverhältnissen jener bedauernswerthen, unglücklichen Person, für welche ein abergläubischer Wahn ihres Zeitalters, der unheilstiftende Hexenglaube, dieses Hemd verfertigen ließ.

      Da ich im Besitze einer vollständigen Abschrift der diesbezüglichen amtlichen Akten bin, so habe ich es auf wiederholte Aufforderung des verehrten herrn Vorstandes und Ausschusses unseres Gesch.- und Alterthums-Vereines übernommen, heute einiges davon zu erzählen und zwar möglichst nur den historischen Kern, um welchen das zuletzt blutige Drama gesponnen wurde.

      Zur Zeit des dreißigjährigen Krieges, gegen Ende des Jahres 1619, wurde zu Leiße, einem jetzt abgegangenen Dorfe bei Köln, dem Taglöhner Johann Kramer von seiner Ehefrau Elisabeth Reisthal eine Tochter geboren, welche den Namen Anna erhielt, und welche in ihrem Alter zu Veringenstadt eine traurige Berühmtheit erlangte, indem sie 1680, ihrem 61. Lebensjahre, daselbst als Hexe verbrannt wurde. Als das Kind, Anna Kramer --- erst einige Jahre alt war, starb seine Mutter an der Pest, und sein Vater ging nach einiger Zeit eine zweite Ehe ein. Doch die Stiefmutter hielt das Kind allzustrenge, weßhalb es schon im folgenden Jahre von seiner Base, der Wittwe Margaretha Eitler, die keine eigenen Kinder hatte, gegen ein geringes Kostgeld zur Pflege und Erziehung in deren Haus aufgenommen wurde. Als Anna Kramer 12 Jahre alt geworden war, starb auch ihr Vater. Die Base erhielt nun kein Kostgeld mehr, behielt sie aber dennoch bei sich. Hier bei der nachsichtigen Base und in den Wirrnissen, Schrecken, Trübsalen und Nöthen des dreißigjährigen Krieges, wuchs sie zu einer körperlich schönen und üppingen, aber sehr eigensinnigen, rechthaberischen, gefallsüchtigen und äußerst leichtfertigen Jungfrau heran, die schon vor erreichtem 15. Lebensjahre ein Liebesverhältniß mit dem Eisendrahtzieher Joh. Wortmann unterhielt.

      Im Herbste 1634 bezog eine Abtheilung der schwäbischen Kreistruppen, die sogen. Truchseß-Scheerische Kompagnie, welche unter dem Befehle des Grafen Christof Karl, Truchseß zu Waldburg-Scheer, stand, den Ort Leiße, um da Winterquartier zu nehmen. In das Haus der Base kamen 3 Mann, der Schnapphau, der Füllehans, beide von Sigmaringen und Feldscherer oder Arzt der Kompagnie, Albert Kohler von Veringenstadt. Dieser letztere wußte sich alsbald derart die Gunst der Anna Kramer zu erwerben, daß sie ihrem rußigen Drahtzieher entsagte und ein neues Liebesverhältniß mit dem schmucken Feldscherer anknüpfte, welcher sie auch nach etwa einem Vierteljahr, nämlich am 20. Febr. 1635, am Fastnachtdienstag wirklich ehlichte.

      Nach der Trauung wohnte das junge Ehepaar noch bei der Base, bis die Truchseß-Scheerische Kompagnie anfangs Mai wieder ins Feld kommandirt abmarschiren mußte. Dieselbe hatte hierauf das Mißgeschick, daß sie über ein Jahr ohne länger dauernden Aufenthalt im Lande umher, bald da-, bald dorthin dirigirt wurde. Die Anna zog immer unverdrossen ihrem Manne nach, und zwar Meistens in Gesellschaft einer ebenfalls mitziehenden Rittmeistersfrau, welche sie gegen Bezahlung bediente. Endlich gegen Herbst 1636 erhielt der Feldscherer A. Kohler den schon lange begehrten und erwarteten Abschied und zog mit seiner 16jährigen Ehefrau heim nach Veringenstadt, wo ihm seine Mutter die sogen. Badstube und einige Feldstücke übergab. Der während seiner Abwesenheit verstorbene Vater war namlich Balbirer oder Bader d. h. Der Stadtarzt gewesen und diese Stelle übernahm nun der Sohn. Die Badstube stand an der Lauchert, bei der Mühle und war mit einer wirklichen Badanstalt verbunden.

      In der Ehe mit dem Bader A. Kohler lebte die Anna Kramer, die man in Veringenstadt kurzweg Baderann hieß, etwas über 21 Jahre, und zwar ziemlich friedlich. Demungeachtet wurde sie aber doch in der Folge ein ganz sonderbares, unverträgliches und verschmitztes Weib. Zu Hause blieb sie nicht gerne, sondern zog viel lieber in benachbarten Orten herum, wo sie gerne die Rolle einer Heilkünstlerin spielte und besonders bei Weiber- und Kinderkrankheiten angeblich merkwürdige Erfolge erzielt haben soll. Hiebei bediente sie sich anfangs verschiedener Kräuter, Tränke und anderer natürlicher Mittel, deren Anwendung sie von ihrem Manne erlernt haben mochte, später verfiel sie jeodoch auf allerlei Hokuspokus, Segen- und Zauberformeln und magischen Firlefanz, wodurch sie sich leichtern Verdienst und größeres Ansehen zu verschaffen suchte, in Wirklichkeit aber nach und nach allerlei Verdacht gegen sich heraufbeschwor. Ihr Mann, der Bader A. Kohler kränkelte längere Zeit und starb endlich im Jahre 1656. Während ihrer 21-jährigen Ehe hatte sie ihm 5 Kinder geboren, von welchen noch 3 lebten, ein Sohn von 17 Jahren, Namens Albrecht und 2 jüngere Töchter Namens Johanna und Maria.

      Nach kurzem Wittwenstande entschloß sich die Baderann zu einer zweiten Ehe und verheirathete sich 1657 in ihrem 37. Lebensjahre mit dem 51 Jahre alten Hufschmied Andreas Endriß, dem kurz vorher seine dritte Ehefrau gestorben war. Die Badstube überließ sie ihrem Sohne Albrecht, der des Vaters Geschäft forttreiben sollte, und zog zu ihrem Manne in die Schmiede am Marktplatze (jetzt das Haus der Wittwe des Kaufmanns Heinzelmann).

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